Stand der Sachlage

Seit vielen Jahrzehnten führen die Praxen in Großefehn und Wiesmoor mit knapp 30 Ärzten im Wechsel vor Ort den Nacht- und Wochenenddienst zur Versorgung der Bevölkerung durch.  Diese Ärzte sorgen dafür, dass die Versorgung im ländlichen Raum trotz Ärztemangels aufrecht erhalten bleibt. Alle näheren Krankenhausambulanzen sind erst in einer Entfernung von über 20 km zu erreichen.

Es werden in der Stadt Wiesmoor und in der Gemeinde Großefehn ca. 26.500 Einwohner auf einer Fläche von ca. 210 km² in ausreichender Qualität mit geringer Inanspruchnahme von Krankenhausambulanzen und  -stationen versorgt.  Mit der Notdiensttätigkeit erfüllen die Großefehntjer und Wiesmoorer Ärzte den erklärten politischen Willen zur ärztlichen Versorgung der Bevölkerung  im ländlichen Raum. Dies wird überparteilich immer wieder geäußert, was zur Folge hat, dass die Versorgung im ländlichen Raum eine hohe Priorität in allen politischen Organisationen und in der Bevölkerung genießt.

Die Notdienstarbeit finanziert sich bisher aus den Honorarleistungen der Krankenkassen, die im Notdienstkreis Großefehn/Wiesmoor in 2016 im Durchschnitt 22,33 € pro Stunde ergaben, sowie aus einer Förderung aus dem Sicherstellungsfonds der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) mit im Durchschnitt 17,67 € pro Stunde. So wird hier ein festgesetzter Stundensatz von 40 € Umsatz erreicht. Aus dem Stundensatz müssen für die Notdienstzeit der Lohn für Helferinnen und Helfer, die Logistik (Praxisgebäude, Geräte, Fahrzeug, Fahrkosten, etc.), sowie Steuern, Sozialabgaben und Lohn des Arztes finanziert werden.

Mit Schreiben vom Juni 2017 wurde von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) mitgeteilt, dass ab dem 1. Juli 2018 die Förderung durch den Sicherstellungsfonds für den Notdienstkreis wegfallen wird. Der KVN möchte, dass die Notversorgung in Großefehn und Wiesmoor sich dem Notdienstkreis Aurich/Ihlow/Südbrookmerland anschließt. Dies hat zur Folge, dass ein Arzt die ambulante Notversorgung für knapp 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf einer Fläche von 630km² sicherstellen muss.

Das Ansinnen der KVN wird dazu führen, dass die bisherige Versorgung in Großefehn und Wiesmoor so nicht mehr fortbesteht.  Es wird dann nur einen Notdienstgroßkreis Großefehn/Wiesmoor/Aurich/Ihlow/Südbrookmerland geben.

In solch riesengroßen anonymen Notdienstkreisen werden erfahrungsgemäß eine Fülle von Patienten abgewiesen oder gleich an den Rettungsdienst verwiesen, wenn sie überhaupt noch den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen und nicht gleich ins Krankenhaus gehen. Es wird eine Vielzahl von kostenträchtigen ambulanten Krankenhausfällen geben, die das Gesundheitssystem,  die Rettungsdienste und die Krankenhausambulanzen zusätzlich unnötig belasten.

Fazit:
In Großefehn und Wiesmoor wird es nach unserer Auffassung weitere Wege und eine schlechtere medizinische Versorgung geben. Die Bevölkerung verliert so das Vertrauen in das Gesundheitssystem und fühlt sich auf dem Land nicht mehr ausreichend versorgt. Dies hat zur Folge, dass jede „Kleinigkeit“ mit dem weiten Weg in die Krankenhausambulanzen verbunden ist.

Da der derzeitige, bewährte Notdienst funktioniert und von der Ärzteschaft in Großefehn und Wiesmoor mitgetragen wird, muss die derzeitige Regelung in Großefehn und Wiesmoor beibehalten werden!